Gesund Essen – medizinisch und politisch

Ein interessantes Interview im Tagesanzeiger vom 29.08.2016 mit Michael Pollan zeigt auf, wie „einfach“ es im Prinzip ist, sich sowohl gesund zu ernähren, als auch global etwas Gutes zu tun.

An dieser Stelle zwölf wichtige Punkte zur gesunden Ernährung:

  1. Essen Sie nichts, was nicht auch für Ihre Urgrossmutter akzeptabel (oder bekannt) gewesen wäre.
  2. Meiden Sie Produkte, bei denen irgendeine Form von Zucker (oder Süssstoff) als eine der drei wichtigsten Zutaten enthalten sind.
  3. Meiden Sie Lebensmittel, für die im Fernsehen geworben wird.
  4. Meiden Sie Lebensmittel, die mehr als fünf Zutaten enthalten.
  5. Verbringen Sie genau so viel Zeit mit dem Geniessen einer Mahlzeit, wie mit dem Zubereiten.
  6. Essen Sie nur Lebensmittel, die verderben können.
  7. Beschränken Sie ihre Snacks auf unverarbeitete, pflanzliche Lebensmittel.
  8. Meiden Sie Produkte, die sich als „light“, „fettarm“ oder „fettfrei“ ankündigen.
  9. Kaufen Sie kleinere Gläser und Teller.
  10. Essen Sie nur Lebensmittel, die von Menschen zubereitet wurden.
  11. Beziehen Sie den Kraftsoff für ihren Körper nicht da, wo sie das Auto betanken.
  12. Essen sie möglichst nicht allein.

Prävention – oder wie man damit Geld machen kann

Eigentlich stellt man sich unter Prävention etwas einfaches, günstiges und letztlich wirksames vor. In den letzten Jahren wurde der Begriff aber je länger je mehr Synonym für teure, unnötige und eher die Sache verschlimmernde Diagnostik.

Ein Beispiel findet sich im Tagesanzeiger vom 15. Juli 2016 zur „Früherkennung von Lungenkrebs“.

Antibiotikaresistenz Teil 1

Spezielle Bakterien in Kläranlagen gesichtet.

Antibiotika sind eine gute Sache. Leider wurden und werden sie nicht erst seit kurzem viel zu oft verschrieben (gegen Krankheiten, gegen die sie nichts nützen oder einfach mal so bei einer simplen Grippe) oder falsch angewendet (z.B. zu früh abgesetzt).

Immer mehr tragen wir die Folgen davon in Form von Resistenzen. Alarmiert durch einige tragische Fälle von Spitalinfektionen dringt das Problem jetzt langsam auch an die Öffentlichkeit.

Und schon steht das nächste Problem vor der Tür, Bakterien, die Antibiotika fressen können, wurden in Kläranlagen gesichtet, wie 20min berichtet.

Einen interessanten Beitrag zum Antibiotikagebrauch finden Sie hier.

Grippezeit 2

Kaum wagt sich ein Kollege den Unsinn der Grippeimpfung anzuprangern, kommt der Aufschrei.

Meist werden dann drei Kardinalfehler begangen (ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt):

  1. es wird ein singuläres Ereignis als Exempel für Erfolg der Grippeimpfung erwähnt (z.B. hätte man dannzumal das Personal geimpft, dann wäre nicht die Halbe Abteilung geschlossen worden…).
  2. Eine Studie wird erwähnt, welche genau diese Resultate / Fakten belegen soll.
  3. Kritiker werden generell als Impfgegner abqualifiziert, als Ignoranten von wissenschaftlichen Fakten dargestellt und fast an den Pranger gestellt.

Wie im vorherigen Beitrag erwähnt, hat aber das Impfen gesunder Erwachsener keinen Einfluss auf die Anzahl  der Abwesenheitstage vom Arbeitsplatz wegen Grippe! Es ist also die Grippezeit und-stärke an und für sich, welche den Umfang des Problems bestimmt und nicht, ob das Personal geimpft wurde.

Dazu kommt, dass das Impfen des Gesundheitspersonals keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand älterer Bewohnerinnen und Bewohner einer Langzeit-Pflegeeinrichtung hat, wie die entsprechende Untersuchung von Cochrane feststellt.

Das Fazit ist klar und deutlich:

The results for specific outcomes: laboratory-proven influenza or its complications (lower respiratory tract infection, or hospitalisation or death due to lower respiratory tract illness) did not identify a benefit of healthcare worker vaccination on these key outcomes. This review did not find information on co-interventions with healthcare worker vaccination: hand-washing, face masks, early detection of laboratory-proven influenza, quarantine, avoiding admissions, antivirals and asking healthcare workers with influenza or influenza-like-illness (ILI) not to work. This review does not provide reasonable evidence to support the vaccination of healthcare workers to prevent influenza in those aged 60 years or older resident in LTCIs. High-quality RCTs are required to avoid the risks of bias in methodology and conduct identified by this review and to test further these interventions in combination.

Grippezeit

Impfen oder nicht impfen?

Obschon nach und nach sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Grippeimpfungen kaum einen individuellen, geschweige denn einen Volkswirtschaftlichen Nutzen haben, wird bei uns nach wie vor fröhlich das Impfen weiter propagiert, oder gar als obligatorisch erklärt.

Im Tagesanzeiger findet sich am 4. Januar 2016 (wie fast immer zu Beginn einer Grippewelle) ein entsprechender Artikel. Obwohl in der Einleitung von Schätzungen die Rede ist und am Ende des Artikels erklärt wird, dass keine systematischen Daten erfasst werden, wird munter behauptet, dass das alles wissenschaftlich belegt sei.

Ein lesenswerter Kommentar von Johannes G. Schmidt in der NZZ vom 9. Januar 2016 beleuchtet einmal ganz nüchtern den Impferfolg.

Die Erwähnte Cochrane Collaboration analysiert Studien auf Relevanz und hier eine Auswahl zu Grippeimpfungen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Z.B. über das Impfen bei gesunden Erwachsenen: erster Abschnitt der „key results“:

The preventive effect of parenteral inactivated influenza vaccine on healthy adults is small: at least 40 people would need vaccination to avoid one Influenza Like Illness (ILI) case (95% confidence interval (CI) 26 to 128) and 71 people would need vaccination to prevent one case of influenza (95% CI 64 to 80). Vaccination shows no appreciable effect on working days lost or hospitalisation.

An dieser Stelle sei es nochmals erwähnt, dass die Schweiz seit Anfang 2016 freien Zugang zur Cochrane Library geniesst.

Studien…

„Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“

So lautet ein gängiger Witz unter Leuten, welche sich mit Statistiken und Studien rumschlagen. Dass aber bis 85% der Studien nicht gerade gefälscht, aber genauerer Prüfung nicht standhalten sollen? Hätten Sie das gedacht?

Ein interessanter Artikel in der Schweizerischen Ärztezeitung 2015/49 beleuchtet, wie es dazu kommt.

 

 

Wenn es alle tun, dann muss es doch gut sein…

Moderne Behandlungsmethoden basieren oft auf einem einfachen Rezept. Es steht in den Leitlinien, man macht es in den USA so oder es stand doch in der Fachzeitschrift.

Wenige Kliniken und / oder Ärztinnen wagen „die allgemein anerkannten“ Behandlungsmethoden und Studien dazu zu hinterfragen, geschweige denn, genauer zu studieren.

Und, was noch bedenklicher ist, meist wird nicht einmal der eigene Erfolg oder Misserfolg wenigstens Quantitativ erfasst. Die simple Frage ob denn eine Behandlung wirklich den gewünschten Erfolg gebracht hat wird meist nur im Individualfall betrachtet. Fragt man aber nach, ob denn die Anzahl erfolgreicher mit der Anzahl ausgeführter Behandlungen in einem vernünftigen Verhältnis steht, kann dies meist niemand beantworten. Man verweist dann wieder auf die Studien.

Ein verhängnisvoller Zirkel, wie zwischendurch immer mal wieder bekannt wird. Jetzt hat es Ritalin und andere erwischt. Hier der Artikel im Tagesanzeiger vom 27.11.2015.

Im Artikel erwähnt ist die Cochrane Collaboration, welche sich genau mit der Frage der Evidenz beschäftigt. Und dies der Link zum Abstract über Ritalin und Co.

 

 

Wirtschaftlichkeit vor Gesundheit

Wirtschaftlichkeit vor Gesundheit

Immer wieder wird die Produktion bewährter Produkte eingestellt, weil es sich nicht mehr lohnt oder neuer Produkte mehr Profit versprechen. Es soll auch Fälle geben, wo ganz bewusst einfache, günstige, gut wirksame Mittel aktiv verdrängt oder gar verboten werden (notfalls mit Hilfe von Studien an Ratten), um einem neuen Produkt den Weg zu ebnen…

Nicht mehr wirtschaftlich:

Antiserum (Tages Anzeiger 13.11.2015)